FAQ

Benutzung von Werbemelder*in

Was macht ihr mit den eingesendeten Bildern?

Wir prüfen jedes eingesendete Bild, ordnen es ähnlichen Bildern zu, kategorisieren sie in sexistisch, stereotyp, nicht-sexistisch und veröffentlichen sie auf der Karte, sofern sie in Deutschland beheimatet sind.

Regelmäßig beschweren wir uns bei Firmen über ihre sexistische Werbung, im direkten Kontakt oder z.B. über Social Media. Manchmal finden sie auch Eingang in unsere Blog-Artikel, die ihr jederzeit über unseren Newsletter abonnieren könnt.

Am Ende des Projektes dokumentieren wir alle gesammelten Daten und geben damit Rückmeldung an das uns fördernde Ministerium, wie es um sexistische und stereotype Werbung in Deutschland bestellt ist und wo genau die größten Probleme und Möglichkeiten liegen.

Welche Daten von mir werden veröffentlicht?

Wir veröffentlichen das eingesendete Bild und den angegebenen Ort. Deine E-Mail-Adresse und Dein Name wird nicht veröffentlicht, sondern dienen uns nur intern bei Nachfragen. Wenn Du zugestimmt hast den Newsletter zu abonnieren, melden wir Dich dort an. Du kannst den Newsletter jederzeit wieder abbestellen, z.B. über den Link, den Du in jeder Newsletter-Mail erhältst.

Mehr Details findest Du auch unter Datenschutz.

Kann ich auch Onlinewerbung oder Facebook-Anzeigen melden?

Ja. Wenn du auf das lilafarbene Megafon klickst, wähle einfach im oberen Bereich des Formulares „Link melden“ aus. Bei Facebook-Einträgen achte bitte darauf, dass der Post öffentlich sichtbar ist und es sich wirklich um Werbung handelt!

Was bedeutet die Wolke?

In der Wolke  findest Du alle Einreichungen von Internetlinks.

Was bedeuten die Farben?

Lila = Sexistisch

Türkis/Blau = Stereotyp

Gelb = Nicht-Sexistisch

Orange = Noch nicht kategorisiert

Grau bzw. Transparent = Beendete Motive bzw. Kampagnen

 

Technische Probleme und Fragen

Ich kann meine Einreichung auf der Karte nicht finden

Dies kann verschiedene Gründe haben. Zunächst benötigen wir in der Regel ein bis drei Tage um die Einreichungen zu überprüfen und zu veröffentlichen. Spam-Bilder veröffentlichen wir selbstverständlich nicht. Zudem veröffentlichen wir nur Bilder in bzw. aus Deutschland. Internetlinks findet ihr in der Wolke links oberhalb Karte.

Zuletzt könnte es sich bei der Nutzung mit der App um ein Ladeproblem handeln. Bitte schließt in diesem Fall eure App komplett und startet sie erneut. Eine Anleitung zum Schließen für Apps auf Android findet ihr hier, für iOS hier

Bei mir wird gar keine Karte angezeigt
Bei manchen Geräten bzw. Browsern kann es zu Anzeigefehlern kommen, manchmal hilft schon Neuladen der Seite. Gerade erhalten wir aber auch Fehlermeldungen mit Chrome. Wenn möglich, benutzt einfach einen anderen Browser (z.B. Firefox oder Safari). Wenn all dass nichts nützt, könnt ihr den Werbemelder auch „rahmenlos“ direkt aufrufen unter: app.werbemelder.in.
Ein Marker wechselt die Farbe

Manchmal sieht es so aus, also ob Marker die Farben wechseln, wenn sie sehr dicht beieinander oder übereinander liegen. Zoom die Karte näher heran, dicht liegende Marker trennen sich dann. Sollten die Marker wirklich übereinander liegen, freuen wir uns über deinen Hinweis an werbemelder.in@pinkstinks.de, damit wir die Marker versetzen können.

Ich kann frühere Einreichungen von mir unter Meine Einreichungen nicht sehen
Wir speichern deine früheren Einreichungen für dich zum Nachschauen in deiner App bzw. deinem Browser. Wir legen aber kein Benutzerkonto oder ähnliches an. Wenn du zwischen Geräten wechselst oder den Cache deines Browsers löscht, können Einreichungen in „Meine Einreichungen“ fehlen oder verloren gehen. Aber: Bei uns und auf der Karte sind sie natürlich immer noch vorhanden und eingezeichnet.

 

Kriterien und Einordnung

Woher kommen eure Kriterien?

Wir orientieren uns bei unserer Einordnung in sexistisch, stereotyp und nicht-sexistisch an zwei maßgeblichen Quellen: Die prämierte Doktorarbeit von Berit Völzmann zu geschlechtsdiskriminierender Wirtschaftswerbung, die juristische Grenzen für Sexismus in der Werbung festlegt, sowie die Kriterien des Deutschen Werberats. Mehr zu unseren Kriterien und Beispiele findet ihr hier.

Wollt Ihr jetzt H&M Dessous-Werbung verbieten?
Wenn sie diskriminierend ist, ja. Das kommt ganz auf die jeweilige Dessous-Werbung an. Die meiste Dessous-Werbung, die in den letzten Jahren in der Außenwerbung hing, ist von unserer Norm jedoch gar nicht betroffen.
Warum dürfen Frauen nicht sexy sein?
Natürlich dürfen Frauen sexy sein. Männer übrigens auch. Die interessantere Frage ist: Warum müssen Frauen unbedingt sexy sein? Und: Bauen die Medien nicht einen Zwang zum Sexy-Sein auf und vermitteln ein Bild, dass Frau-Sein und Sexy-Sein gleichsetzt? Sexy-Sein wird damit zu einer weiblichen Eigenschaft gemacht. Autos (Seile, Baumaschinen, …) werden nicht mit halbnackten Männern beworben.
Ist das nicht lustfeindlich?
Gar nicht. Lust und einvernehmlicher Sex sind toll. Die Sexualisierung von Alltagsprodukten, die nichts, aber auch gar nichts mit Lust und Sex zu tun haben, ist es hingegen nicht. Ebenso wenig wie Diskriminierung.
Aber Sex verkauft nun mal!
Ob und wie Dinge verkauft werden sollten hängt aber nicht allein davon ab, dass Menschen bereit sind, sie zu erwerben. Wenn nur die Nachfrage das Angebot und die entsprechende Vermarktung bestimmen würde, dürfte überhaupt nicht reguliert werden.
Die meisten Frauen haben kein Problem mit halbnackten Frauen in der Werbung. Wollt ihr die bevormunden?
Ist das so? Und wenn das so ist: Was ist mit den Frauen (und Männern), die ein Problem damit haben? Hinzu kommt: Die Normalität und das Alltägliche kritisch zu hinterfragen und nicht als gegeben und daher normal hinzunehmen, fällt schwer. Studien der Medienwirkungsforschung zeigen, dass Werbebilder Auswirkungen auf Einstellungen und das Körper- und Selbstbild haben. Dies passiert unterbewusst und auch bei jenen Menschen, die sich nicht an Werbebildern stören. Darüber hinaus ist erwiesen, dass Werbung das Selbstbewusstsein von Frauen beeinträchtigt. Und mangelndes Selbstbewusstsein wirkt sich auf die Bereiche aus, in denen Frauen diskriminiert werden. Dem müssen wir entgegenwirken.
Ihr wollt also Männern erzählen, was sie zu begehren haben?
Weit gefehlt. Stattdessen wehren wir uns dagegen, dass Werbung die immer gleichen Bilder dazu vorgibt, wie und was Frauen und Männer begehren. Wir haben nicht vor, das Begehren der Menschen neu zu besetzen. Wir arbeiten lediglich daran, es nicht von anderen eindimensional besetzen zu lassen. Werbung bildet gerade nicht die Vielfalt innerhalb der Gesellschaft (und der Geschlechtergruppen) ab. Das muss sie natürlich auch nicht. Aber sie sollte Geschlechtsrollenstereotype auch nicht verfestigen und damit den auf anderen gesellschaftlichen Feldern stattfindenden Bemühungen um Gleichberechtigung entgegenwirken.

 

Hintergrund des Projektes

Mehr zum Hintergrund und zur Entstehung des Projektes findest Du hier.

Warum fördert das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend das Projekt?

Nachdem die SPD-Fraktion im Bundestag die Vertagung der Gesetzesnorm gegen sexistische Werbung und dafür ein zweijähriges Monitoring sexistischer Werbung vorgeschlagen hat, können wir dank unserer Erfahrung mithilfe einer Förderung des Bundesministeriums dieses Monitoring durchführen.

Was passiert mit der Gesetzesnorm gegen sexistische Werbung?

Die Bundeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsministerinnen hat im Juli 2017 beschlossen, dass eine gesetzliche Regelung sexistischer Werbung von der Bundesregierung weiter geprüft werden soll. Mit der Förderung dieses Monitorings ist die Regierung aktiv: In zwei Jahren wissen wir, ob unsere Daten für eine Gesetzesinitiative reichen oder nicht.

Aber wenn diese Werbung geschlechtsdiskriminierend ist, kann man doch mit Bezug auf Art. 3 GG dagegen klagen? Wieso schlagt ihr noch ein weiteres Gesetz vor?
Art. 3 Abs. 2 GG ist das grundrechtliche Gleichberechtigungsgebot. Aus ihm ergibt sich die Pflicht des Staates, die Gleichberechtigung der Geschlechter tatsächlich zu fördern. Adressat ist der Staat, nicht das einzelne werbende Unternehmen. Wir wollen auch kein neues Gesetz, sondern lediglich eine neue Norm innerhalb eines bestehenden Gesetzes, des UWG (Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb).
Warum engagiert ihr euch nur für Frauen als diskriminiertes Geschlecht?
Tun wir nicht. Wir engagieren uns gegen sämtliche Geschlechtsrollenstereotype, also auch solche, die auf Männer bezogen sind.

Wenn sich die Beispielsfallgruppen im Rahmen der Sexualisierung allein auf Frauen beziehen, so deshalb, weil es sich dabei gerade um einen weiblichen Geschlechtsrollenstereotyp handelt. Es sind Frauen, die auf einen Gegenstand zum sexuellen Gebrauch reduziert werden oder deren Wert allein anhand ihrer sexuellen Anziehung bestimmt wird.

Frauen dargestellt als Objekt sexueller Verfügbarkeit oder als rein dekoratives Objekt haben eine lange Tradition in der europäischen Kunst sowie in der Werbung. Diese Darstellung intensiviert das vorherrschende Geschlechterrollenbild das wir von Frauen haben und unterstützt seine negativen Konsequenzen.

Männerkörper werden sehr viel seltener sexualisiert und ohne Produktbezug dargestellt, meist nur, um eine sexistische Kampagne (z.B. “Fisch macht sexy”-Nordsee-Kampagne 2013) zu neutralisieren. Sexualisierung per se ist nicht verwerflich. Wenn sie jedoch ein Geschlechterklischee bestärkt, dass über Jahrhunderte die Diskriminierung von Frauen begünstigt hat, ist ihr entgegenzuwirken.

Steht Werbung nicht unter dem Schutz der Kunst- und Meinungsfreiheit?
Sie kann unter den Schutz der Kunst- oder Meinungsfreiheit fallen.

In den Schutzbereich der Meinungsfreiheit (Art. 5 Abs. 1 Satz 1 GG) fällt geschlechtsdiskriminierende Werbung dann, wenn sie eine wertende Aussage enthält, die nicht allein auf das Produkt bezogen ist (“Frauen mögen Shopping”). Eine solche wertende Gemeinaussage liegt nicht vor, wenn die Aussage allein auf das Produkt bezogen ist (“Das beste Angebot”, “Nur 3,99€”, “Wie wär´s mit etwas Frischem?”). Auch wenn Frauen in der sogenannten Blickfangwerbung als Dekorationsobjekte neben Produkten zu sehen sind, ist der Werbung in der Regel keine wertende Aussage zu entnehmen, so dass hier keine Meinungsäußerung im Sinne des Grundgesetzes vorliegt.

Fällt geschlechtsdiskriminierende Werbung in den Schutzbereich der Meinungsfreiheit, so heißt das nicht, dass sie zwangsläufig erlaubt sein muss. Die Meinungsfreiheit wird nicht schrankenlos gewährleistet, sie kann etwa zugunsten des Jugendschutzes (Art. 5 Abs. 2 GG) oder auch aufgrund kollidierenden Verfassungsrechts eingeschränkt werden. Aufgrund ihres besonderen, kommerziellen Charakters ist Werbung dabei einfacher einzuschränken als andere Meinungsäußerungen (etwa in der Presse oder an Stammtischen). Im Fall geschlechtsdiskriminierender Werbung überwiegt aufgrund der geringeren Schutzwürdigkeit geschlechtsdiskriminierender Werbung einerseits und der Gefährdungen für die tatsächliche Durchsetzung des Gleichberechtigungsgebots andererseits Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG gegenüber Art. 5 Abs. 1 Satz 1 GG (Gebot der Meinungsfreiheit). Der Eingriff in die Meinungsfreiheit wird also durch das Gleichberechtigungsgebot gerechtfertigt.

Um in den Schutzbereich der Kunstfreiheit zu fallen, muss Werbung die Voraussetzungen des verfassungsrechtlichen Kunstbegriffs erfüllen. Dies geschieht allerdings nur in Ausnahmefällen, wenn Werbung eine künstlerische Darstellung statt Produktanpreisung in den Vordergrund stellt. Ein Beispiel hierfür ist die Plakatierung schockierender Motive durch die Firma Benetton. Ohne ein bestimmtes Produkt zu bewerben und mit kaum erkennbarem Logo hat Benetton hier Bezug auf gesellschaftliche Debatten genommen und sich positioniert. Kunstfreiheit kann also in Einzelfällen für Werbung relevant sein, in der Regel jedoch nicht.